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Ob Maria Magdalena die Geliebte von Jesus war, wie es der Kinohit "Sakrileg" glauben macht, weiß Paul Amoros nicht. Aber er bäckt Navettes, kleine Biskuits in Form eines Bootes. Der Legende nach soll die Heilige mit einem Boot nach Marseille geflüchtet sein. Ihre Reliquien locken bis heute Pilger ins südfranzösische St.-Maximin.
Magdalenas Schädel
Seit dem 13. Jahrhundert wird ihr Schädel dort in der für provenzalische Verhältnisse großen Dominikanerkirche im Departement Var aufbewahrt. Amoros betreibt die letzte Mehlmühle im Var. Er bäckt auch Brot, ein besonderes Brot: Der Laib trägt das Kreuz der Templer. Fragt man ihn danach, kommt Amoros ins Erzählen. Seit er vor 25 Jahren in Trigance die Moulin de Soleil übernahm, hat ihn der nach dem 1. Kreuzzug in Jerusalem zum Schutz christlicher Pilger gegründete Templer-Orden nicht mehr losgelassen.
Die wirtschaftliche Basis der Templer lag in der Provence, wo sie 29 Komtureien betrieben. In ihrem Weinkeller von Peyrassol wird bis heute Wein gekeltert. Auf einem Templerhof nahe Bras gibt es Gästezimmer.
Gestenreich erklärt der Müller, wo Templer-Spuren zu finden sind. Hier ein vergilbtes Dokument über den Gral. Dort eine mysteriöse Inschrift an einer Felswand.
Wenn man Glück hat, schließt Amoros seinen Laden und führt Gäste zur Kapelle Sainte Anne in Robion. Sie gehört zu neun einsam gelegenen Kirchen, deren Anfangsbuchstaben den Namen TEMPLARII ergeben. Zufall oder Absicht? Nicht immer lassen sich untrügerische Zeichen der Templer ausmachen. In Rougon, über dem malerischen Verdon, dient die einstige Templer-Kapelle nur noch als Ziegenstall.
Templer-Türme
Christian Delceray führt zu besser erhaltenen Templer-Ruinen. Der Geschichtslehrer weiß, dass die Ordensritter neue Bautechniken aus dem Heiligen Land mitbrachten. Die befestigte Altstadt von Lorgues mit ehemals zwölf Türmen geht auf sie zurück. Er deutet auf eines der drei Verteidigungstore, das man Sarazenentor nennt, und auf Bewässerungsanlagen.
Als untrügliches Templer-Zeichen gilt das markante Kreuz im Gemäuer. Ein Sprichwort sagt: "In Lorgues wird man alt und glücklich." Die Touristen scheinen dies wörtlich zu nehmen, sind es im Sommer doch doppelt so viele wie Einwohner. Sie lieben die provenzalische Idylle mit Cafés, verwinkelten Gassen und dem schönsten Wochenmarkt der Gegend.
Auf derartigen Entdeckertouren bleibt man nicht in der Geschichte, sondern schließt Bekanntschaft mit der Gegenwart - wie dem typischen Ziegenkäse. Derzeit bedeckt ein Teppich aus rotem Mohn die Wiesen der Provence. Im Sommer ist sie ein einziges Lavendelfeld.
Mit etwas Glück sieht man über den Schluchten des Verdon die Geier kreisen. "Manche Leute kamen mit Dynamit", erinnert sich Amoros, "den legendären Gral hat dennoch keiner gefunden". Für ihn ist der wirkliche Schatz der Templer die Natur selbst mit ihren Wundern, wie das 42 Grad heiße Thermalwasser am Fuß der Ruinen der Templerburg von Greoux.
02.06.2006 |
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